Wachtberger Kulturtage 2017

11. Wachtberger Kulturwochen

Satchmo und Szenen einer Ehe

„Lost in the Jam“ begeisterte im Drehwerk Wachtberg-Adendorf.

Gar nicht verloren, sondern am richtigen Ort fühlten sich die Gäste im vollbesetzten Bühnenraum des Drehwerk 17/19 in Adendorf zu Jazz und Funk mit der Formation „Lost in the Jam“. Und die fünf Vollblutmusiker gaben ihnen Recht. Das Konzert, das wurde schnell deutlich, entwickelte sich schon nach kurzer Spieldauer zu einem weiteren Highlight im Rahmen der elften Wachtberger Kulturwochen.

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Stimmlich - wie Louis Armstrong

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Die Band um Trompeter Gregor Groß, meisterlich auch auf dem Flügelhorn und der Posaune, um Armin Franz am Piano, Frank Bergmann am Saxophon sowie Johannes Pfeifer am Bass und Karl Fedke am Schlagzeug brillierte gleich zu Beginn mit den Stücken „Night Train“ und „Solitude“. Mit Groß am Mikrofon wähnte man „Satchmo“ Louis Armstrong höchstpersönlich anwesend, derart gut imitierte er die Stimme des berühmten Jazzmusikers. Mit Annette Briechle gesellte sich anschließend eine weibliche Gesangsstimme hinzu. Wunderbar leicht kam „Mr. Bojangles“ und „Teach me tonight“ daher. Sie würden Klassiker von Jazz-Größen nicht nur covern wollen, erläuterte Groß, sondern diese gerne auch neu interpretieren. Was er damit meinte, stellten die Musiker mit ihrer Interpretation von „Satin Doll“ und „It don’t mean a thing“ unter Beweis … fetzig intoniert und mit perfektem Background-Chor, gemeinschaftlich gesungen von Groß, Pfeifer und Bergmann. Dass er nicht nur Satchmo-like singen, sondern auch auf der Trompete überzeugen kann, zeigte sich bei dem Lied „Exactly like you“. Neben Briechle mit ihrem Gesang punktete Groß hier mit einem ausgefeilten Solo, wie auch Bergmann und Franz mit Soloeinlagen beeindruckten.

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Musikalisch – Szenen einer Ehe

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Überhaupt merkte man der Gruppe von Anfang an, welchen Spaß sie in dieser - mit Annette Briechle - für sie neuen Zusammensetzung hatten. Briechle, die die Moderation übernommen hatte, schäkerte mal mit diesem, mal mit jenem Mitspieler, so dass sich immer wieder äußerst unterhaltsame Dialoge entwickelten. So kündigte Saxophonist Bergmann das Stück „It’s oh so quiet“ als Szenen einer Ehe an, in denen es auch laut werden würde. Und wahrlich, in dem, was sich dann musikalisch auftat, konnte wohl jeder Gast das Auf und Ab einer Beziehung wiedererkennen. Sanfte, leise Passagen wechselten sich mit abrupt und laut daherkommenden ab. Teils kreischte Briechle förmlich ins Mikro, um dann, ganz versöhnlich, wieder gemäßigtere Töne anzustimmen. Eine Darbietung mit Gänsehaut-Effekt. Nicht weniger beeindruckend das Stück „Airmail Special“, bei dem Briechle in rasendem Tempo die Musik nur mit kurzen Silben stimmlich begleitete. Da ging einem schon alleine beim Zuhören die Puste aus! Mit bekannten Jazz-Standards wie „Fever“, „Miss Otis regrets“, „What a wonderful world“ und den zwei Zugaben „Fly me to the Moon“ und „Just a Gigolo“ beendeten „Lost in the Jam“ und Annette Briechle den Abend. Da fühlte sich das Publikum dann doch noch etwas verloren: Schon vorbei? Schade!